Expertise: Potenzielle Problemkontexte bei der Präsentation und Rezeption von Musikvideos
Musikvideos begleiten das Aufwachsen von Jugendlichen. Sie sind ein Spiegel der jeweiligen Zeit und der aktuellen Jugendkulturen. Über Wirkung und Rezeption von Musikvideos auf bzw. durch Jugendliche gab es schon verschiedene Studien. Diese Expertise verschafft einen systematischen Überblick über gewonnene Ergebnisse und zeigt Handlungsbedarfe auf.
| Titel | Potenzielle Problemkontexte bei der Präsentation und Rezeption von Musikvideos | Ziel | Vorhandene Forschungsergebnisse systematisieren und Handlungsbedarfe aufzeigen |
| Gegenstand | Rezeption von Musikvideos durch Jugendliche | Maßnahmen | Literaturanalyse / Synopse |
| Publikation | Publikation 2006 erschienen: Videoclips und Musikfernsehen. Eine problemorientierte Kommentierung der aktuellen Forschungsliteratur | Auftragnehmer | Prof. Dr. Klaus Neumann-Braun, Universität Koblenz Landau; Prof. Dr. Lothar Mikos, Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf, Potsdam. |
Musikclips sind etabliert
Musiksender wie Viva und MTV haben sich in der Fernsehlandschaft erfolgreich etabliert und mit ihren Clip-Programmen nicht nur Jugendkulturen zentral geprägt, sondern auch für einen radikalen Visualisierungsschub in unserer Gesellschaft gesorgt. In der Öffentlichkeit werden immer wieder teilweise provokante Inszenierungen von Sexismus und Gewalt in beispielsweise HipHop-Clips thematisiert. Wie aber gehen Jugendliche mit den angebotenen Darstellungen von Gewalt und Geschlechterrollen um?
Überblick durch Expertise
Ziel der Literaturanalyse „Potenzielle Problemkontexte bei der Präsentation und Rezeption von Musikvideos“ war es, vorliegende wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Aspekten Produktion, Distribution und Ästhetik sowie Rezeption und Aneignung von Clips und Musik-TV zu systematisieren und mögliche Forschungs- und Handlungsbedarfe zu ermitteln. Im ersten Teil der Analyse wurden Studien über die Darstellung von Gewalt, Sexualität und Geschlechterrollen in Musikvideos ausgewertet. Der zweite Teil fokussierte auf Forschungsergebnisse zu den Nutzungsmotivationen und Rezeptionsformen von Jugendlichen sowie auf potenzielle Wirkungen von Musikvideos.
Weniger offene Gewalt
Im Vergleich der vorliegenden Studien wird deutlich, dass offene Gewalt und aggressives Verhalten im Musikfernsehen – anders als noch vor einigen Jahren – kaum noch eine Rolle spielen. In verdeckter Form bleibt aber Gewalt weiter ein wichtiges Element. Durch die teilweise dominante Darstellung von „Sexposen“, vor allem in so genannten „HipHop“-Spots, werden Rollenklischees nach wie vor bedient.
Mehr als nur Clips
Musiksender wie MTV und Viva haben sich seit dem Start des Genres vor rund 25 Jahren fest in der deutschen TV-Landschaft etabliert und binden mit ihren Programmen vor allem Jugendliche an den Bildschirm. Dabei hat sich das Programmangebot vom reinen „Abspielen“ von Musikvideos hin zu einem breiter gefächerten Angebot mit Formaten wie Gameshows und Reality Shows verändert, die teilweise – wie z. B. bei „Jackass“ und „I want a famous face“ – mit Sendezeitauflagen durch die Landesmedienanstalten belegt wurden.
Gefühlsmanagement durch Musik
Nach wie vor ist Musik sehr bedeutsam – Musikvideos werden von Jugendlichen vor allem zum "Gefühlsmanagement" benutzt, etwa als "Gute Laune-Bringer". In der Forschungsliteratur wird generell der Konsum von Musikvideos als unproblematisch für die Entwicklung von Jugendlichen angesehen. Allerdings gibt es zwei Gruppen "tendenziell problembelasteter Zuschauer": Jugendliche mit geringer formaler Bildung und sozial- und leistungsschwache Jugendliche. Vor allem diese Gruppen nutzen Videos häufig. Sie hätten gleichzeitig die geringste Kompetenz, um mit der Bilderflut umgehen zu können, heißt es in der Expertise. Allerdings liegen kaum aktuelle Programmanalysen und Rezeptionsstudien zu Musikvideos vor und neuere Erkenntnisse stammen überwiegend aus angloamerikanischen Forschungen. Die Ergebnisse der Expertise Studie wurden Anfang 2006 in der Schriftenreihe Medienforschung der LfM als Band 52 unter dem Titel "Videoclips und Musikfernsehen" veröffentlicht.
Publikation:
Klaus Neumann-Braun, Lothar Mikos:
Videoclips und Musikfernsehen. Eine problemorientierte Kommentierung der aktuellen Forschungsliteratur.
Berlin (Vistas) 2006. Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien NRW (LfM), Band 52.
ISBN 3-89158-426-1.156 Seiten. 10,- Euro
Zusammenfassung der Expertise
Ausschreibungsunterlagen und Projektbeschreibung:
Expertise: „Potenzielle Problemkontexte bei der Präsentation und Rezeption von Musikvideos“