Journalistische Recherche im Internet

Das Internet ist zur alltäglichen Informationsquelle geworden. Der Begriff „Googeln“ hat es sogar bis in den Duden geschafft. Auch für Journalist/innen ist das Internet scheinbar das ideale Werkzeug für die Recherche. Aber inwieweit hat die Online-Recherche Auswirkungen auf die Qualität journalistischer Arbeit? Das ist die zentrale Frage dieses Forschungsprojekts.

 

TitelJournalistische Recherche im InternetZielQualitative Auswirkungen der Online-Recherche aufzeigen / Ergebnisse sollen in Aus- und Weiterbildung von Journalist/innen einfließen
GegenstandInternet als journalistisches RecherchewerkzeugMaßnahmenQualitative Forschung / Beobachtung von Journalist/innen im Arbeitsalltag
PublikationPublikation im Juni 2008 erschienen: Journalistische Recherche im Internet.
Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online
AuftragnehmerProf. Dr. Marcel Machill, Lehrstuhl für Journalistik II, Universität Leipzig



Quelle Internet
Immer mehr Menschen greifen bei der Informationssuche auf das Internet als zentrale Quelle zurück. Im Vergleich zu den traditionellen Medien wie Zeitungen, Fernsehen und Hörfunk ist über das Internet eine wesentlich größere Vielzahl an Informationen verfügbar. Das Internet hat aber nicht nur zu veränderten Informationszugängen des gemeinen Nutzers geführt, auch Medienschaffende, d. h. Journalist/innen, bedienen sich in ihrer täglichen journalistischen Arbeit unterschiedlicher Online-Anwendungen. Von der Nutzung der E-Mail für Rechercheanfragen über den Einsatz von Suchmaschinen, das Aufsuchen von Internetseiten unterschiedlicher Institutionen und Unternehmen, (themenspezifischen) Newsportalen, Nachrichtensuchmaschinen, (gebührenpflichtigen) Datenbanken, Blogs und Fachforen bis hin zum Abonnieren von Newslettern und -diensten reicht das Spektrum der möglichen Anwendungen.

Vorteil Online-Recherche
Das Einsatz und Relevanz der Recherche über das Internet inzwischen so groß sind, lässt sich durch die mit der Online-Recherche verbundenen Vorteile erklären. Über das Internet sind wesentlich mehr Informationen verfügbar, die im Vergleich zur Offline-Recherche oft deutlich schneller ermittelt werden können und dies zu teilweise wesentlich geringeren Kosten. Insbesondere Basisinformationen und Fakten können mit einem geringeren Aufwand als zuvor recherchiert und überprüft werden. Zudem erleichtert das Internet den Zugang beispielsweise zu ausländischen Quellen, die über andere Zugangswege gar nicht oder nur schwer erreichbar wären.

Wandel der journalistischen Arbeit
Durch dieses neue Rechercheinstrument haben sich die Arbeitsweisen und Rahmenbedingungen der journalistischen Arbeit in den letzten Jahren gewandelt. Dabei ist zu vermuten, dass der Einsatz dieser technologischen Entwicklungen nicht ohne qualitative Auswirkungen auf den Journalismus geblieben ist. Die zentrale Frage ist nun, welcher Art diese qualitativen Veränderungen sind. In verschiedenen aktuellen Studien wurde bisher insbesondere der quantitative Einsatz von Online-Medien in der journalistischen Arbeit erforscht. Diese Studien verdeutlichen, dass die Internet-Recherche inzwischen eine wichtige Rolle im alltäglichen Rechercheprozess einnimmt. Es fehlen jedoch weitgehend fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse über qualitative Aspekte des veränderten Rechercheprozesses und des spezifischen Einsatzes und der Funktion der Internet-Recherche.

Journalistische Qualitätsstandards
Verfügen die Journalisten/innen über die notwendigen Kompetenzen, um dieses Rechercheinstrument effektiv und nach den Maßgaben der journalistischen Qualitätsstandards zu nutzen? Im Mittelpunkt steht dabei natürlich immer die Frage nach möglichen Auswirkungen auf die Qualität des journalistischen Beitrags. Bei der Beantwortung dieser Fragen durch ein Forschungsprojekt muss den unterschiedlichen medien- und arbeitsspezifischen Kontexten der Journalisten/innen Rechnung getragen werden. Lassen sich bezogen auf den Stellenwert und die Art der Einbindung der Online-Recherche in den Gesamtprozess Muster bzw. Typen ausmachen, mit Blick auf das Alter, die Ausbildung, das Selbstverständnis, das Beschäftigungsverhältnis etc. der Medienschaffenden.

Fachtagung 2008
Die Ergebnisse zeigen, dass die Internet-Recherche inzwischen zum Arbeitsalltag von Journalisten gehört. Ihr Vorteil liegt dabei insbesondere in der Schnelligkeit der Informationsbeschaffung. Allerdings findet eine Überprüfung der Online-Quellen kaum statt. Ferner zeugt die hohe Relevanz von Online-Angeboten redaktioneller Medien von einer gesteigerten Selbstreferentialität im Journalismus, d. h. der Bezug eigener Berichterstattung auf bereits Berichtetes. Auch die Dominanz von Google als Recherchemittel sowie die vorhandenen Kompetenzen im Umgang mit dieser Suchmaschine bieten ebenfalls Anlass zur Auseinandersetzung. In diesem Kontext zeigt die Studie Handlungsempfehlungen zur Sicherung und Optimierung der Recherchequalität auf. Im Rahmen einer hochkarätig besetzten Tagung im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin wurden die Ergebnisse der Studie am 23. Juni 2008 der Öffentlichkeit präsentiert und von führenden Journalisten aller Mediengattungen diskutiert. In der Pressemitteilung "Journalistische Online-Recherche auf dem Prüfstand: Qualitätssteigerung notwendig" finden sich weitere Hintergründe, Fotos und auch ein Link zur Eröffnungsrede von LfM-Direktor Norbert Schneider. Die Studie wurde als Band 60 der LfM-Schriftenreihe Medienforschung veröffentlicht.

Mit dem Projekt will die LfM insbesondere einen Beitrag zu der Debatte über qualitative Standards im Journalismus leisten. Die Ergebnisse sollen in die Vermittlung eines angemessenen Umgangs mit Online-Recherchen in der Aus- und Weiterbildung von Journalist/innen einbezogen werden.

Publikation:
Marcel Machill, Markus Beiler, Martin Zenker:
Journalistische Recherche im Internet.
Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online
Berlin: Vistas 2008, Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Band 60, 406 Seiten.
ISBN 978-3-89158-480-4. 23,- Euro

Zusammenfassung:
PDF-Download einer 30-seitigen Zusammenfassung mit den wichtigsten Ergebnissen der LfM-Studie.

Ausschreibungsunterlagen und Projektbeschreibung:
„Journalistische Recherche im Internet“
August 2006


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