Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten

 

Früh übt sich, wer medienkompetent werden will. Bei der Medienerziehung in nordrhein-westfälischen Kindergärten und bei der medienpädagogischen Ausbildung angehender Erzieher/innen gibt es allerdings seit Jahren erhebliche Defizite. Das ergab eine Studie aus dem Jahr 1997, die jetzt neu aufgelegt und überprüft wurde. Demnach sind Erzieher/innen in NRW oft orientierungslos und messen der Medienerziehung häufig nur geringe Bedeutung zu.

 

TitelFörderung von Medienkompetenz im KindergartenZielÜberprüfung der Studie von 1997 / Verankerung von Medienerziehung im Kindergarten analysieren
GegenstandMedien bezogene Problemwahrnehmungen und -bewältigungsstrategien von Erzieher/innenMaßnahmenWiederholungsstudie: repräsentative Telefonbefragung von Erzieher/innen / qualitative Interviews mit Erzieher/innen und Ausbilder/innen
Publikation

Publikation im August 2007 erschienen:
Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten. Eine empirische Studie zu Bedingungen und Handlungsformen der Medienerziehung

AuftragnehmerProf. Dr. Ulrike Six, Institut für Kommunikationspsychologie, Medienpädagogik und Sprechwissenschaft, Universität Koblenz-Landau.


Medienerziehung im Kindergarten untersucht
Medien spielen bereits in der Lebenswelt von Klein- und Vorschulkindern eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund vergab die Landesanstalt für Rundfunk im Jahr 1996 ein Forschungsprojekt zum Thema „Medienerziehung im Kindergarten“. Im Rahmen der Studie wurde analysiert, wie und in welchem Ausmaß Erzieher/innen in Kindergärten Medien bezogene Probleme von Kindern und Anforderungen an die Medienerziehung wahrnehmen, wie sie mit ihnen umgehen und welche medienpädagogischen Leitvorstellungen sie präferieren. Darüber hinaus wurde die medienpädagogische Ausbildung von Erziehern/innen untersucht. In beiden Bereichen hat die Studie erhebliche Defizite ausgemacht.


 

Hat sich etwas geändert?
Rund zehn Jahre nach Durchführung der ersten Studie galt es 2006/2007 zu überprüfen, ob sich in der Praxis der medienbezogenen Bildung und Erziehung in den Kindergärten von NRW wie auch bei den Rahmenbedingungen etwas geändert hat. Hier zeichnen die Forscher/innen ein vergleichsweise ernüchterndes Bild. Die Heterogenität in der praktischen Arbeit und bei der Ausbildung von Erzieher/innen ist noch größer geworden. Zudem ist auf allen Seiten häufig eine Orientierungslosigkeit auszumachen. So gaben zum Beispiel 91 Prozent der Befragten an, dass sie sich für die Medienerziehung schlechter qualifiziert fühlen, als für andere Förderbereiche.
 

 

Mehr zu den Ergebnissen der aktuellen Studie finden sie in dieser Zusammenfassung als PDF!



Debatte geht weiter
Schon die Ergebnisse der ersten Studie haben sowohl in der Fachöffentlichkeit als auch aufseiten der Politik eine kontroverse Debatte über das Thema ausgelöst. Die Studie belegte die Defizite und Probleme im Bereich der Praxis der Medienerziehung im Kindergarten sowie im Bereich der Ausbildung von Erziehern/innen. Die Wissenschaftler/innen der Studie kamen zu der Schlussfolgerung, dass die medienpädagogische Ausbildung insbesondere an den Einstellungen der Erzieher/innen zu den Medien ansetzen müsse. Auch 2007 sehen Prof. Six und Kolleg/innen eine Schlüsselrolle bei dem grundlegenden Verständnis von Medienerziehung und deren Zielen. Bei der Präsentation der Studie am 30.08.2007 in Düsseldorf sagte Frau Six: "Wie engagiert Erzieher/innen in der Praxis sind und wie stark sie an einschlägigen Informationen, Materialien, Hilfestellungen etc. interessiert sind - d.h. ihr medienpädagogisches Engagement insgesamt - hängt vorrangig von ihrer Einsicht in die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Medienerziehung und ihrer entsprechenden Motivation ab."


Modellprojekt
Vor dem Hintergrund der Befunde hat die LfM ein Modellprojekt zur Medienkompetenzförderung in nordrhein-westfälischen Kindertageseinrichtungen aufgelegt. Nach dem Prinzip einer „aufsuchenden Medienpädagogik“ soll in  ausgewählten Einrichtungen eine niedrigschwellige Einbindung der Medienkompetenzvermittlung in den Kindergartenalltag ermöglicht werden. Das auf 18 Monate angelegte Projekt wird von Schulen ans Netz e.V. in Kooperation mit Blickwechsel e.V. und GMK durchgeführt.


Mehr Informationen:

Publikation zur zweiten Studie 2007
Ulrike Six und Roland Gimmler: Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten. Eine empirische Studie zu Bedingungen und Handlungsformen der Medienerziehung. Berlin: Vistas 2007. Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien NRW, Band 57

Zusammenfassung der Ergebnisse als PDF

Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten / 2007

Tagungsbericht als PDF

12. medienpädagogische Fachtagung der LfM – Förderung von Medienkompetenz im Kindergarten / 30.08.2007

Publikation zur ersten Studie 1998
Six, Ulrike, Christoph Frey und Roland Gimmler: Medienerziehung im Kindergarten. Theoretische Grundlagen und empirische Befunde. Opladen. 1998. LfR-Schriftenreihe Medienforschung, Bd. 28

 


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