Evaluation des Bürgerfunks in Nordrhein-Westfalen

 

1990 gingen die ersten privaten Lokalradios in NRW auf Sendung. Seitdem gibt es auch den Bürgerfunk und damit die Möglichkeit für alle Bürger/innen, eigene Beiträge zu produzieren und im Lokalfunk auszustrahlen. In der Studie wurden Strukturen und Inhalte des Bürgerfunks erstmals wissenschaftlich untersucht.

 

TitelEvaluation des Bürgerfunks in Nordrhein-Westfalen ZielLeistungen und Funktionen des Bürgerfunks erfassen und evaluieren
GegenstandBürgerfunk / BürgermedienMaßnahmenProgrammanalysen / Nutzerbefragungen / Fragebögen / Interviews / Qualitative Erhebungen
PublikationPublikation 2006 erschienen:
Bürgerfunk in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse
AuftragnehmerProf. Dr. Helmut Volpers, Institut für Medienforschung (IMGÖ), Göttingen/Köln.



Das Modell Bürgerfunk
In Nordrhein-Westfalen gibt es ein System des Offenen Kanals im Radio: den Bürgerfunk. Alle interessierten Bürger/innen haben das Recht, sich in einem der 46 privaten Lokalradios in Nordrhein-Westfalen unmittelbar zu Wort zu melden. Jeder dieser Sender muss tägliche Sendezeit für Bürgerfunkbeiträge reservieren. Dieses integrierte Konzept der Bürgerbeteiligung entstand unmittelbar im Zusammenhang mit der Einrichtung des privaten lokalen Hörfunks in Nordrhein-Westfalen Ende der 1980er Jahre mit dem Ziel, die Partizipation von Bürger/innen am lokalen Hörfunk zu ermöglichen und einen Vielfaltsbeitrag zum Programm zu leisten. Seitdem ist ein sehr breites Spektrum von Bürgerfunker/innen unterschiedlicher Alters-, Bildungs- und Interessensgruppen aktiv geworden. Zur Produktion der Beiträge stehen ihnen landesweit Radiowerkstätten zur Verfügung. Die Finanzierung des Bürgerfunks erfolgt auf der Basis des § 82 LMG NRW durch die Landesanstalt für Medien NRW, die darüber hinaus versucht hat, seine Entwicklung insbesondere unter dem Aspekt der Qualifizierung der Nutzer/innen zu unterstützen.



Aufbau der Studie
Nachdem der Bürgerfunk seit über 15 Jahren on air ist, war es Ziel des Forschungsprojekts, die konkreten Leistungen des Bürgerfunks zu erfassen und zu evaluieren, um auf dieser Basis die vorhandenen Strukturen weiterentwickeln zu können. Die Evaluation setzte neben einer umfangreichen Programmuntersuchung auf der Analyse der drei Akteursgruppen an, die in ihrem Zusammenwirken das System Bürgerfunk bestimmen:

  • der einzelne Bürgerfunker bzw. die Bürgerfunkgruppen,
  • die Radiowerkstätten und ihre Träger, 
  • die Lokalradios.


Stärken und Ressourcen

Der Bürgerfunk ist besser als sein Ruf. Das ist eine der Thesen aus der Evaluation. In der Studie wurden eine Reihe von durchaus ambitionierten Hörfunkangeboten festgestellt. Es wurden jedoch auch viele Ressourcen des Bürgerfunks benannt, in denen Entwicklungspotenzial steckt. Dazu gehören vor allem die Bereiche Musik, Information und Lokalbezug. Der Anteil der Musik beträgt laut Studie fast 70 Prozent des Gesamtprogramms im Bürgerfunk. Lediglich 13,5 Prozent des Gesamtprogramms beinhalten im engeren Sinne politikbezogene Informationen, wobei in zehn von 46 Verbreitungsgebieten ein derartiger Politikbezug im Programm überhaupt nicht zu finden war. Auch beim Lokalbezug von Beiträgen gibt der Bürgerfunk Themen und Ereignisse im Verbreitungsgebiet oft nur sehr eingeschränkt wider. Zudem lässt sich insgesamt eine geringe Formvarianz feststellen. Die Bürgerfunker/innen in NRW konzentrierten sich bei den journalistischen Darstellungsformen stark auf das – vermeintlich einfach zu führende – Interview. Darstellungsformen wie Reportage, Feature oder gar das Hörspiel bildeten hier absolute Ausnahmen.



Ergebnisse der Studie
Die Ergebnisse der Studie wurden Anfang 2006 in der Schriftenreihe Medienforschung der LfM als Band 51 unter dem Titel „Bürgerfunk in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse“ veröffentlicht und der Öffentlichkeit im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse mit den Bürgerfunker/innen und der Medienpolitik diskutiert und fanden in einem Konzept zur Reform der Förderung des Bürgerfunks im lokalen Hörfunk Berücksichtigung.



Publikation:
Helmut Volpers, Detlef Schnier und Christian Salwiczek:
Bürgerfunk in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse.
Berlin. 2006 (Schriftenreihe Medienforschung der LfM; Band 51; 213 S.).
ISBN 3-89158-420-2. 15,- Euro

 

Ausschreibungsunterlagen und Projektbeschreibung:
„Evaluation des Bürgerfunks in Nordrhein-Westfalen“
Oktober 2002 


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