Evaluation des Bürgerfernsehens in Nordrhein-Westfalen

Seit Mitte der 1980er Jahre gibt es mit den offenen Kanälen in NRW die Möglichkeit, dass Bürger/innen ihr eigenes Fernsehprogramm gestalten und im lokalen Kabel verbreiten. 2006 wurde das System der OKs auf den Prüfstand gestellt. Sowohl Strukturen wie auch Inhalte wurden wissenschaftlich untersucht und ausgewertet.

 

TitelEvaluation des Bürgerfernsehens in Nordrhein-WestfalenZielLeistungen und Funktionen des Bürgerfernsehens erfassen und evaluieren
GegenstandOffene Kanäle / BürgermedienMaßnahmenProgrammanalysen / Nutzerbefragungen / Fragebögen / Interviews / Qualitative Erhebungen
PublikationPublikation im Mai 2007 erschienen:
Bürgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse
AuftragnehmerProf. Dr. Helmut Volpers, Institut für Medienforschung (IMGÖ), Göttingen/Köln;
Prof. Dr. Petra Werner, Fachhochschule Köln, Institut für Informationswissenschaft.



Modell Bürgerfernsehen
Der Bürgerfunk im Fernsehen ist ein zugangsoffenes Forum, das den Bürger/innen im jeweiligen Verbreitungsgebiet ermöglicht, sich durch die Produktion von Fernsehbeiträgen an der Gestaltung eines Programms zu beteiligen, das auf einem Offenen Kanal im Fernsehen ausgestrahlt wird. Das sogenannte Bürgerfernsehen entstand Mitte der 1980er Jahre mit dem Ziel, neue Kommunikationsformen auf lokaler und regionaler Ebene und deren Auswirkung auf das kulturelle und soziale Leben sowie auf die kommunikativen Kompetenzen der Beteiligten zu erproben und zu entwickeln. Leitendes Prinzip ist das der Partizipation: Bürger/innen soll durch das Bürgerfernsehen ein unmittelbarer Zugang zu dem Massenmedium Fernsehen eröffnet werden. Sie sollen die Gelegenheit erhalten, sich selbst verantwortet und mit selbstbestimmten Inhalten an die Öffentlichkeit zu wenden. Darüber hinaus sollen die Kompetenzen der Nutzer/innen hinsichtlich der Gestaltung von Medien und dem Wissen über Produktionsweisen gefördert werden.


Neun Standorte untersucht
Nachdem die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) den Bürgerfunk untersuchen ließ (LINK), wurde im Jahr 2006 auch das Bürgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen unter die Lupe genommen. Im Zeitraum der Untersuchung konnten Bürger/innen in neun Orten des Landes selbst produzierte Beiträge im TV ausstrahlen (Bielefeld, Dortmund, Essen, Hamm, Lüdenscheid, Marl, Münster, Paderborn und Tudorf). Die Situation und das Programmprofil der Einrichtungen des Bürgerfernsehens (Offene Kanäle) waren vor Ort jeweils recht unterschiedlich. In der Studie "Bürgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse" wurden die Organisations- und Handlungsstrukturen, die Produzent/innen und die Programminhalte des Bürgerfernsehens an allen Standorten untersucht.


Ergebnisse der Studie
Die Offenen Kanäle in Nordrhein-Westfalen befinden sich in einem Umbruch. Der gesellschaftliche Strukturwandel und die mediale Entwicklung verlangen eine Neuausrichtung der Bürgerfernsehlandschaft. Die Untersuchung liefert hierfür wichtige Impulse. Unter den Produzent/innen der Offenen Kanäle, so eines der zentralen Ergebnisse, sind zwei Gruppen prägend: auf der einen Seite eher jüngere Nutzer/innen, die in Redaktionsgruppen tätig sind und vor allem an einer späteren Berufstätigkeit in den Medien interessiert sind; auf der anderen Seite eher ältere Einzelnutzer/innen, die vor allem eine Plattform für ihre Beiträge suchen, die Ressourcen der Offenen Kanäle aber zurückhaltend nutzen und kaum Interesse an Beratung oder Weiterbildung zeigen. Das Programmangebot wird an einigen Standorten von Produktionen dominiert, die sich auf individuelle Themen oder Vorlieben ihrer Produzent/innen beziehen. Entwicklungspotenzial sehen die Autor/innen der Studie vor allem bei den Offenen Kanälen, die eine qualifizierungswillige Nutzerschaft haben und sich bereits in den Bereichen Ausbildung und Erprobung engagieren.


Publikation:
Helmut Volpers, Petra Werner (Hrsg.):
Bürgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen. Eine Organisations- und Programmanalyse.
Berlin (Vistas Verlag). 2007 (Schriftenreihe Medienforschung der LfM; Band 56; 228 S.).
ISBN 978-3-89158-453-8. 15,- Euro

Ausschreibungsunterlagen und Projektbeschreibung:
„Evaluation des Bürgerfernsehens in Nordrhein-Westfalen“
August 2005 


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