Die Overbergschule in Viersen-Dülken ist eine Förderschule Lernen für die Klassen 1. bis 10. Für einige Schüler der Oberstufe gehört das Radiomachen dort zum Unterrichtsalltag. Sie greifen regelmäßig zu Mikrofon und Aufnahmegerät und produzieren Sendungen, die an der Schule und teilweise auch im Bürgerfunk ausgestrahlt werden. Zusammen mit ihrem Lehrer Burkhard Weltermann haben sie eine Radiowerkstatt eingerichtet, für die kurzerhand eine Telefonzelle zur Sprecherkabine umfunktioniert wurde. Die Schüler haben Spaß an der Radioarbeit und sie lernen auch etwas für ihr späteres Berufsleben.

Alle zwei Wochen geht Radio 14,6 an der Overbergschule in Viersen-Dülken on Air. Der Name Radio 14,6 leitet sich von der Hausnummer der Schule ab. Die Sendungen sind immer 20 Minuten lang und werden im Vorfeld komplett aufgenommen, geschnitten und produziert. Gesendet wird über die Schulanlage in alle Klassen, Flure und sogar auf den Schulhof. Die ersten zehn Minuten der Sendung sind immer informativ, die hören die Schüler noch in ihren Klassen. Dann folgen zehn Minuten Unterhaltungsprogramm mit den aktuellen Titeln der Charts, die in der Pause zu hören sind. Hinter Radio 14,6 stehen Lehrer Burkhard Weltermann und sein festes Radio-Team.
Burkhard Weltermann: In der Radiowerkstatt arbeiten acht Schüler mit. Dabei sind die Aufgaben nach Neigung und Können verteilt. Schüler mit Schwierigkeiten im Bereich Lesen und Sprechen kümmern sich zum Beispiel vor allem um die Technik, um die kreativen Aufgaben, um Soundsuche und Schnitt eines Beitrags. Hingegen Kinder, die gut im Lesen sind, kümmern sich eher um Nachrichten und Sprechen mehr ein als die anderen.
Die Overbergschule ist eine Schule für Schüler mit Lernproblemen. Lehrer Burkhard Weltermann ist dort eigentlich für den Bereich Werken zuständig. Zur Holzwerkstatt kam vor etwa zwei Jahren aber auch eine Radiowerkstatt dazu. Aus einer alten Telefonzelle wurde eine Sprecherkabine gebaut, es gibt ein großes Mischpult, Boxen und Computerarbeitsplätze für Schnitt und Internetrecherche. Ganz routiniert und in entspannter Atmosphäre produzieren die Schüler regelmäßig ihre Sendungen.
Burkhard Weltermann: Mich beeindruckt immer wieder die Selbständigkeit, mit der die Schüler sich über das Medium Radio plötzlich für Themen interessieren, für die sie sich vorher nicht interessiert hätten. Dann ist es sehr spannend, wie die Kinder auf andere Kinder und Erwachsene zugehen, wenn wir ein Interview führen. Dann der Bereich der Kreativität, wie das Radio mit unglaublich viel Freude gestaltet. Dann der Stolz der Kinder, wenn wir hinterher die Sendung wirklich hören oder wenn wir die Radiowerkstatt vorstellen können.
Die Sendungen von Radio 14,6 bestehen aus festen Elementen. Neben Nachrichten und einem Interview, in dem meist ein Lehrer vorgestellt wird, hat auch das Radiorätsel seinen Platz. Dafür wird zu jeder Sendung ein neuer Teilnahmezettel produziert, auf dem z.B. fünf Tiere zu sehen sind. In der Sendung sind dann zwei Tiere zu hören, und die müssen erkannt und angekreuzt werden. Die Zettel wandern dann in den Briefkasten der Radiowerkstatt und das Radio-Team zieht einen Gewinner, der sich über einen goldenen Taler als Gutschein für den Schülerkiosk freuen darf. Und damit die Chancen gleich verteilt sind, gibt es ein leichteres Radiorätsel für die Unterstufe – und ein schwierigeres für die Mittelstufe.
Für die Schüler aus der Radiowerkstatt ist die Produktion der Sendungen immer etwas Besonderes:
Patrick (16): Mir gefällt das Schneiden. Ich kannte dieses Programm noch nicht, aber ich habe schon Erfahrungen mit dem Computer.
Kevin (14): Mir gefällt es sehr gut, die Nachrichten aus dem Netz zu laden und dann selbst einzusprechen. Das hört ja dann jeder. Es ist schon komisch, dass alle uns hören. Besonders die Kleinen und die Mittelstufe freuen sich immer sehr auf die Sendung. Manchmal gibt’s auch Kritik, aber damit kann ich leben.
Fabian (17): Ich schneide die Fehler der Sprecher aus den Sachen raus, das gefällt mir besonders gut. Hier am Arbeitsplatz stehen das Mischpult, die Sprecherkabine, die Boxen und der PC.
Benedikt (15): Ich male gerade ein Bild, was über die Tür zu unserer Radiowerkstatt an die Scheibe soll. Ich schneide sonst eigentlich immer die Herzfragen, damit die etwa eine Minute lang sind. Wir haben da ein spezielles Programm, Cubase, und da muss ich darauf achten, dass die Texte Sinn ergeben, wenn was rausgeschnitten wird.
Annika (14): Mir gefällt, dass ich mit tollen Menschen zusammenarbeiten kann und dass ich im Schulradio zu hören bin.
Die Radioarbeit hat einen festen Platz an der Overbergschule gefunden. Auch Lehrer Burkhard Weltermann glaubt, dass die Schüler hier eine Menge mitnehmen.
Burkhard Weltermann: Sie machen Erfahrungen wie Teamarbeit, sie lernen wie ein Arbeitsrhythmus funktioniert und was eine Arbeitstugend ist, also wirklich konsequent an einer Sache zu arbeiten, pünktlich zu sein oder nicht zu stören. Das sind alles sehr wichtige Dinge, die in unserer Schülerfirma auch vermittelt werden.
Alle Oberstufenschüler arbeiten für vier Stunden in der Woche in einer Schülerfirma. Neben der Radiowerkstatt gibt es auch die Bereiche Küche, Holz und Werken oder Kunst. In den Schülerfirmen können die Jugendlichen Erfahrungen sammeln, die sie auf das spätere Berufsleben vorbereiten.
Burkhard Weltermann: Wir leisten auch einen wichtigen Beitrag für das Schulleben. Denn es gibt viele Aktionen, die in der Schule stattfinden, von denen aber gar nicht alle Lehrer oder Schüler etwas wissen. Und wir versuchen, dies an alle weiter zu tragen, so dass man merkt, dass hier doch eine ganze Menge läuft. So gesehen sind wir das Sprachrohr an der Schule.
Interviews und Fotos: Matthias Felling