05.10.2009 : Streetwork auf der Datenautobahn - Web 2.0 stellt neue Herausforderungen an Pädagogik
Die Jugend von heute ist online. Da wird gebloggt, gechattet und getwittert, bei YouTube werden Filme geschaut und veröffentlicht, in einem Social Network wird ein Profil gepflegt und für den dauernden Kontakt zu den Freunden sorgt der Instant Messenger. Das Social Web ist für das Beziehungsmanagement von heutigen Jugendlichen unverzichtbar geworden. Das ist ein Ergebnis der LfM-Studie „Heranwachsen mit dem Social Web“, die Ende September in Düsseldorf präsentiert wurde. Auf der medienpädagogischen Fachtagung „Jugendliche im Social Web“ wurden auch verschiedene Ansätze vorgestellt, wie Schule und offene Jugendarbeit sich dem Thema Web 2.0 nähern können.Heranwachsen im Social Web

Neue LfM-Studie
Heranwachsen mit dem Social Web – Zur Rolle von Web 2.0-Angeboten im Alltag von Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, so lautet der Titel des Forschungsprojekts, das im Auftrag der LfM von der Universität Salzburg und vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung durchgeführt wurde. Die Studie erläutert auf breiter empirischer Basis, wie 12- bis 24-Jährige über die neuen Kommunikationsmöglichkeiten denken, wie sie im Alltag damit umgehen und welche Unterschiede sich dabei je nach Alter, Geschlecht und sozialem Hintergrund zeigen. Zentrale Ergebnisse der Studie können in einer 20-seitigen Kurzfassung oder in dieser Präsentation nachgelesen werden. Die komplette Studie ist inzwischen auch als Buch erschienen


Medienpädagogische FachtagungLfM-Fachtagung

Die Ergebnisse der Studie wurden am 23. September auf der Fachtagung „Jugendliche im Social Web – Zum Umgang mit Web 2.0-Angeboten in Schule und Freizeit“ präsentiert. Weiterhin wurden Ergebnisse einer Studie der Universität Basel vorgestellt mit dem Titel „Party(bilder)portale. Die populäre Erfolgskultur und ihre Bilder". Bei der Tagung ging es aber nicht nur um Forschung, sondern auch um die pädagogische Praxis in Schule und Jugendarbeit, die sich neuen Herausforderungen stellen muss. Zum einen müssen Jugendliche über Risiken des Web 2.0 aufgeklärt werden, wie z.B. die übermäßige Preisgabe privater Daten, problematische Online-Bekanntschaften oder Cybermobbing. Andererseits bieten die neuen Medien viele Chancen für kreative und innovative Lernformen.


Was tun bei Cybermobbing?

Mobbing an Schulen ist leider kein neues Phänomen. Durch Internet und Handy gibt es jedoch neue Formen der Ausgrenzung und Beleidigung von Mitschüler/innen – das so genannte Cybermobbing. Der Lehrer Marco Fileccia hat sich aktiv mit dem Thema auseinandergesetzt und Materialien zusammengestellt, um Cybermobbing in der Schule zu begegnen. Das Modul „Was tun bei Cybermobbing?“ kann auf den Seiten von klicksafe heruntergeladen werden. Es ist Teil des Lehrerhandbuchs „Knowhow für junge User“, in dem zahlreiche Unterrichtseinheiten und Arbeitsblätter zum Thema Web 2.0 zusammengestellt sind.


Wikis, Blogs und Podcast im Unterricht
Die Lehrerin Dr. Stefanie Schäfers hat auf der Fachtagung in Düsseldorf verschiedene Ansätze vorgestellt, um Web 2.0 Anwendungen in den Unterricht einzubauen. Die besonderen Möglichkeiten des Web 2.0 liegen darin, dass Nutzer selbst ohne große Hürden eigene Inhalte einstellen können. Bei einem Wiki schreiben die Webnutzer z.B. gemeinsam an einem Online-Lexikon. In der Präsentation „Wikis, Blogs und Podcasts“ werden einige praktische Möglichkeiten für den Unterricht vorgestellt.


Wer weiß was über mich?

Es ist sehr einfach geworden, Fotos, Filme und andere Inhalte im Netz zu veröffentlichen. Viele Nutzer/innen gehen mit diesen Möglichkeiten sehr leichtsinnig um. Sie entblößen ihr eigenes Leben und das ihrer Freunde im Internet. Der Medienpädagoge Matthias Felling hat praktische Materialien zu den Themen Datenschutz und Persönlichkeitsrechte präsentiert. Die vorgestellten Filme, Broschüren, Webangebote und Spiele können auf vielfältige Weise dazu beitragen, Jugendliche für den bewussten Umgang mit Daten zu sensibilisieren.


Freie Musik
Der Journalist und Musiker Marco Medkour hat sich in seinem Workshop der „Nutzung von Musik für Medienproduktionen mit Kindern und Jugendlichen“ gewidmet. Dabei hat er vor allem freie Musik vorgestellt, die unter einer so genannten Creative Commons-Lizenz veröffentlicht wurde. Mit Creative Commons braucht man nur wenige Schritte, um seine Bilder, Texte oder Musik urheberrechtlich zu schützen und trotzdem anderen zur Verfügung zu stellen. Eine Linkliste zu Creative Commons und freier Musik bietet einen Einstieg ins Thema. Die umfangreiche Präsentation zum Thema ist hier als PDF zu finden (Präsentation ist unter CC 3.0 / by-nc-sa erschienen).


Mehr Informationen:

Jugendliche im Social Web – zum Umgang mit Web 2.0-Angeboten in Schule und Freizeit
Programm und Inhalte der Tagung sind auf der LfM-Homepage nachzulesen.

Projektblog des Hans-Bredow-Instituts und der Universität Salzburg
Die Studie „Heranwachsen mit dem Social Web“ wurde in einem Projektblog begleitet.

 

Fotos: Eric Lichtenscheidt


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